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Biografiearbeit

Ist die Lebensgeschichte Demenzkranker bekannt (Biografiearbeit), können die Betreuer mit dem Verhalten verknüpfte Bedürfnissignale besser erkennen und bei der Pflege berücksichtigen. Oft enthält die Lebensgeschichte wichtige Hinweise, um vorhandene Fähigkeiten zu entdecken. Diese können dann bewusst gefördert werden, um sie so lange wie möglich zu erhalten. Gespräche mit den an Demenz Erkrankten über ihr Leben helfen ihnen, die Erinnerung an die eigene Identität länger festzuhalten. Das Selbstvertrauen wird gestärkt und Sicherheit geschafften. Dadurch können schwierige Situationen besser bewältigt werden.

Ein Beispiel: Immer häufiger kam es vor, dass Heidi Müller von ihrer Mutter bei deren Pflege geschlagen wurde. Sie konnte sich dies nicht erklären. Biografische Arbeit mit Fachleuten brachte es heraus: Die Mutter hatte eine sehr unglückliche Ehe mit Heidi Müllers Vater geführt. Und da die Tochter dem Vater außerordentlich ähnlich sieht, reagierte sich die Mutter an der Tochter durch Schläge ab, da sie diese nicht mehr als ihr eigenes Kind erkannte. Jetzt trägt Heidi Müller bei der Pflege eine Perücke, die ihre maskuline Kurzhaarfrisur verdeckt. Die Mutter schlägt seitdem nicht mehr nach ihr.

Die Vorgehensweise

In stationären Einrichtungen gehört Biografiearbeit mittlerweile zu einer Standardmethode der Pflege und auch Pflegedienste bieten sie an. Auf spielerisch-künstlerische Weise werden Ereignisse, Erfahrungen, Begegnungen, Erfolge, Krankheiten usw. zum Thema gemacht. Unterschieden wird zwischen zwei Formen:

Gesprächsorientierte Biografiearbeit: Einzel- oder Gruppengespräche werden zu bestimmten Themen angeboten (Feste, Schulzeit, Familienleben).

Aktivitätsorientierte Biografiearbeit: Es werden Aktivitäten angeboten, die einen Bezug zur Lebensgeschichte haben: Singen, Handwerkern, Basteln, Museumsbesuche oder alltägliche Tätigkeiten wie Kochen. An die bäuerliche Herkunft der Bewohner knüpft man z. B. in einer bayerischen Senioreneinrichtung an. Jedes Jahr im Herbst schälen und schnippeln die Bewohnerinnen und Bewohner Äpfel, die anschließend in einer alten Mostpresse verarbeitet werden. Sogar Bewohner mit fortgeschrittenen Demenzerkrankungen können die Presse noch gut bedienen, haben sie doch jahrzehntelang für ihre Familien Most gepresst.

Zu Beginn der Erkrankung kann sich der Patient noch selbst über seine Lebensgeschichte äußern. Daher ist es vorteilhaft, wenn die Lebenserinnerungen möglichst frühzeitig festgehalten werden. Später werden Angehörige gezielt dazu gefragt: Nach dem Werdegang des Pflegebedürftigen, der Familie, den Charakterzügen oder besonderen Begabungen.

 

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